Roel Konijnendijk / Manu Dal Borgo (eds.): The Economics of War in Ancient Greece (= Bloomsbury Classical Studies Monographs), London: Bloomsbury 2024, X + 270 S., ISBN 978-1-350-47178-8, GBP 90,00
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Robert Rebitsch: Matthias Gallas (1588-1647). Generalleutnant des Kaisers zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Eine militärische Biographie, Münster: Aschendorff 2006
Bernhard R. Kroener: Kriegswesen, Herrschaft und Gesellschaft 1300-1800, München: Oldenbourg 2013
Anthony Kaldellis / Marion Kruse: The Field Armies of the East Roman Empire, 361-630, Cambridge: Cambridge University Press 2023
Günther Kronenbitter / Markus Pöhlmann / Dierk Walter (Hgg.): Besatzung. Funktion und Gestalt militärischer Fremdherrschaft von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, Paderborn: Ferdinand Schöningh 2006
Patrick Leukel: "all welt wil auf sein wider Burgundi". Das Reichsheer im Neusser Krieg 1474/75, Paderborn: Ferdinand Schöningh 2019
Der zu besprechende Sammelband behandelt ausgewählte Probleme der Beziehung von Krieg und Ökonomie vorwiegend im alten Hellas. Eine umfassende Behandlung des Themas und eine Synthese sind nicht angestrebt, so dass sich die Besprechung unmittelbar den einzelnen Beiträgen zuwenden kann.
Roel Konijnendijk / Robin Osborne, War and Wealthy Hellas: Economics and the Historiography of Greek Warfare. Der Beitrag gibt eine Skizze zur einschlägigen Forschungsgeschichte, beginnend mit George Beardoe Grundys Arbeiten zur Sozioökonomik altgriechischer Kriege (besonders Thucydides and the History of his Age, London 1911). Die Autoren schreiben Grundys Thesen eine Blockadewirkung zu: Wenn, wie man aus Grundy herauslas, altgriechische Kriege "Phalanxspaziergänge" waren, seien Überlegungen zur Budgetpolitik oder Rechenhaftigkeit des Krieges unnötig. Konijnendijk und Osborne vollziehen daher zunächst die forschungsgeschichtliche Überwindung des "Erkenntnishindernisses Grundy" nach. Der Prozess kann mit den Namen Yvon Garlan, Édouard Will, Victor Davis Hanson und Josiah Ober angedeutet werden. Mit der Widerlegung der Thesen Grundys habe die Erforschung der materiellen Dimension des Krieges paradoxerweise generell als überwunden gegolten, so dass der Weg frei geworden sei für eine kulturgeschichtliche und / oder idealistische Sicht auf den Krieg, eine Engführung der Perspektivierung, die erst mit dem Beginn des dritten Jahrtausends nachdrücklich infrage gestellt worden sei.
Die Quintessenz des Aufsatzes von Stephen O'Connor Armies, Navies and Economies in the Classical Greek World: The Reception of Military Forces by Poleis kann auf die Formel gebracht werden, dass die verschiedentlich in den literarischen Quellen dokumentierte Fähigkeit von Polis-Ökonomien, Heere auf dem Durchmarsch, auch wenn diese relativ überraschend auftauchten, mit den geforderten Proviantgütern zu versehen, Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit antiker Ökonomien gestatte. Bliebe allerdings noch zu fragen, welche Folgen solche erzwungenen Versorgungsleistungen mittelfristig für die lokalen Ökonomien hatten, wenn die verproviantierten Heere abgezogen waren. Für die literarischen Quellen ist das in aller Regel kein Thema.
Der folgende Beitrag Economics of Conflict in the Ancient Greek Mediterranean von Manu Dal Borgo verfolgt einen übergreifenden Ansatz, der einen Bogen von der homerischen Zeit bis in die hellenistische Epoche spannt. Die vom Autor zusammengestellten Daten bilden unter anderem die Grundlage für die abgebildete Graphik "Polis Network game" (65), für deren "mathematics" auf eine github-Seite verwiesen wird. Dieser Art Computerisierung gehört sicher die Zukunft, die auch zeigen wird, was der Erkenntniswert für historisch interessierte Lesende sein könnte.
Christopher Tuplin, The Balance Sheet of Achaemenid Warfare. Gathering the Evidence. Der Beitrag von Tuplin bietet eine Fundgrube von Quellenstellen zur Einnahme- und Ausgabe- bzw. Kostentypologie des achämenidischen Imperiums. Einher mit der Präsentation dieses Quellenmaterials gehen kontinuierlich eindringliche Mahnungen zur methodologischen Vorsicht ob der diachronen und geographischen Zerstreutheit des Quellenmaterials sowie seiner mangelnden Kohärenz (mit Blick auf eine wünschenswerte, aber nicht mögliche Integration in ein Modell). So nimmt man aus diesem Aufsatz vor allem die Mahnung mit, speziell quantitativen Aussagen (etwa zur Thesaurierungsquote der persischen Zentrale, der Belastung der Untertanen oder zu den Kriegskosten) mit wachem Misstrauen zu begegnen.
Annabel Florence, The Corinthian War (395/4-387/6 BC): Ships, Walls and Money bietet eine detaillierte Bestandsaufnahme fiskalischer Aspekte des Korinthischen Krieges. Während Lesende sicher ihren Nutzen aus dieser Quellenrevision ziehen können, scheint es fraglich, ob die von der Autorin bekämpfte (aber nur exemplarisch belegte) communis opinio, der zufolge "(Athens) lacked (sc. in dieser Zeit) the financial skills and monetary ressources to fund any co-ordinated military programme (...)." (99), in dieser Form existiert. Diese erscheint als ein Widerspruch in sich (wie konnte Athen über Jahre einen Krieg führen, den es nicht führen konnte?). Selbst wenn die genannte These einmal der communis opinio entsprochen haben sollte, hätte diese sich mit Dorothea Rohdes Buch Von der Deliberationsdemokratie zur Zustimmungsdemokratie, Stuttgart 2019, erledigt.
Der Beitrag von Mark Pyzyk, War and the Techne of Public Finance setzt bei der These an, dass sich in klassischer Zeit Wechselwirkungen zwischen Politik, Krieg und Ökonomie etabliert hätten, die Phänomene antizipierten, wie sie von Charles Tilly für das vergangene Jahrtausend beschrieben worden sind. Nach den Thesen des Autors ging damit auch die Etablierung einer technischen Literatur einher, die sich mit Problemen der Fiskalität befasste. Diese Literatur wird anhand des zweiten Buches der pseudo-aristotelischen Oeconomica exemplifiziert. Von einer proto-wissenschaftlichen Literatur kann bei dieser Schrift allerdings kaum die Rede sein. Ein Blick in Abhandlungen wie Ricardus de Ely, Dialogus de Scaccario (13. Jahrhundert) oder Nicolas d'Oresme, De mutatione monetarum (14. Jahrhundert) belehrt über den himmelweiten Unterschied zwischen dem authentischen take-off einer ökonomischen Wissenschaft und den für die Praxis unbrauchbaren Anekdotensammlungen der Antike.
Matthew Trundle, Who Rowed the Athenian Fleet from 479-405 BC?, nimmt die alte Frage wieder auf, wie die Mannschaften der athenischen Flotte im fünften Jahrhundert sozialökonomisch / statusrechtlich zusammengesetzt waren, also ob Bürger, Metöken, Ausländer und Sklaven und, wenn ja, in welchen Anteilen diese Ruderdienste leisteten. Der Autor optiert mit guten Gründen für eine diachrone Verschiebung der Verhältnisse im Laufe des fünften Jahrhunderts. Dabei sei ein zunehmender Rückgriff auf Nicht-Bürger seit der Mitte des Jahrhunderts und besonders in dessen letztem Drittel zu verzeichnen (167). Wenn die Verwendung der Theten als Ruderer die athenische Gesellschaft demokratisiert habe, so hätten diese den gefährlichen Dienst in der Flotte gerne an Ausländer und Sklaven weitergereicht, wenn sie die Möglichkeit hatten.
Jennifer Martinez Morales, Women Attached to Armies in Classical Greece: Economic Commodities or Burden? Die wissenschaftliche Relevanz der Fragestellung bleibt unklar. Jede Ware kann zu einer Belastung werden, aber was hat das mit der Qualität von Frauen als Waren zu tun? Waren wurden sie durch Versklavung, ob nun burden oder nicht. Die im Aufsatz behandelten Hetären waren jedoch sicher keine Ware. Und wenn sie auf dem Marsch oder im Kampf zu einer Belastung wurden, ist das kein ökonomisches Faktum. Value wird unterschiedslos für Gebrauchswert bzw. Tauschwert gebraucht; sozialgeschichtliche Perspektiven, Psychologisches und Ökonomisches werden ohne Klärung miteinander verbunden.
Edward M. Harris, Warfare and the Markets: Some Thoughts. Der Beitrag behandelt, aufbauend auf aktuellen Forschungen des Autors, vier Fragestellungen: (a) Wie nachhaltig waren kriegsbedingte Zerstörungen im antiken Griechenland (der Zeitrahmen reicht vom 5. zum 2. Jh. v. Chr.)? (b) Inwiefern kann von einer Beeinträchtigung von kommerziellem "Wachstum" durch Kriegsereignisse gesprochen werden? (c) Welche Profitchancen boten Kriege für wohlhabende Individuen (gemeint ist hier ausschließlich Kriegsbeute)? (d) Inwiefern stimulierte die Nachfrage nach militärischen Gütern und Dienstleistungen "Wachstum"? Die Darstellungsdichte des Artikels ist vorbildlich; praktisch jeder Satz enthält verwertbare und die Argumentation stützende Informationen. Die Gesamttendenz, die die hochgradige Resilienz der Poleis und des gesamten Warenverkehrs im Angesicht permanenter Kriege betont oder sogar die produktionsfördernden Momente des Krieges hervorhebt, wird schlüssig verfolgt und mit beeindruckender Sachkenntnis verteidigt. Die Lebenswirklichkeit, die sich hinter den abstrakten Feststellungen verbirgt, scheint manchmal in so unscheinbaren Sätzen wie diesem auf (über das Wirken des Alexanderheeres in Phönizien): "Life continued much as before, just with new residents." (194). Das Leben ging weiter, aber für viele endete es auch brutal. Der Preis des Wachstums.
Abgeschlossen wird der Band mit der Arbeit von John Davies über Reparations Clauses in Treaties of the Iron Age Mediterranean and their Economic Implications. Wie der Titel schon sagt, ist der Fokus hier auf den Mittelmeerraum erweitert, so dass phönizische und italische Verträge berücksichtigt werden können. Dadurch wird die Quellenbasis verbreitert, was allerdings eine typologische Einheitlichkeit impliziert, die nicht unbedingt gegeben war (es gab ja auch den Begriff der Reparationen nicht). Überraschend ist die Feststellung des Autors, dass der Band IV der Staatsverträge des Altertums "never appeared." (217; vgl. aber Malcolm Errington, Die Staatsverträge des Altertums, Bd. 4, München 2020).
Der Band ist so gut wie seine Einzelbeiträge, ein Resümee sei daher dem Rezensenten erlassen. Bibliographie und Register schließen den Band ab.
Armin Eich